Wasser kann mehr als den Durst löschen
Wasser ist alltäglich. Leben ist selbstverständlich - beides hat aber nur einen Wert, wenn wir es schätzen.
Weil bei uns Wasser überall und in genügender Menge bequem zu haben ist, ist die Wertschätzung gering, die ihm entgegengebracht wird. Dabei hat Wasser dank seiner Eigenschaften Leben in dieser Form und Vielfalt, wie wir sie auf unserem Planeten vorfinden, überhaupt erst ermöglicht und nimmt in den vielfältigen und vernetzten Kreisläufen der Natur eine zentrale Stelle ein.

Viele seiner Besonderheiten sind aber für die Physiker und Chemiker heute noch rätselhaft. Wasser verhält sich in der Tat nicht nach den Gesetzen der Naturwissenschaft; wenn es sich auch nur in einem Punkt «normal» verhielte, gäbe es kein Leben auf dieser Erde! Es verdampft bei 100 Grad Celsius und Eis schmilzt bei 0 Grad. Nach den physikalischen Berechnungen müsste aber der Siedepunkt schon bei etwa -100 Grad und der Gefrierpunkt bei -120 Grad liegen. Dies bedeutet auch, dass es dann bei unseren normalen Umgebungstemperaturen nicht flüssig, sondern gasförmig wäre.

Bei den Übergängen in einen anderen Aggregatszustand (flüssig -fest -gasförmig) fallt das paradoxe des Wassers besonders auf Beim Wechsel vom flüssigen in den festen Zustand dehnt es sich aus, was ganz im Gegensatz zum Verhalten verwandter substanzen steht, bei denen sich das Volumen verringert und somit das spezifische Gewicht steigt. Wasser erweitert sich also beim Gefrieren, statt sich zusammenzuziehen. Seine höchste Dichte und damit das grösste Gewicht hat es bei 4 °C. Dies ist der Grund, weshalb Eis auf dem Wasser schwimmt und ein See nicht von unten zufriert. Nur so können Fische und Seepflanzen im Winter überleben. Wasser ist auch nicht bei jeder Temperatur gleich flüssig, selbst bei Temperaturen über 0 °c. Am flüssigsten und labilsten ist es bei 37 °C. Das ist nicht einfach zufällig so: Die Körpertemperatur des Menschen, dessen Zellen zu mehr als zwei Dritteln aus Wasser bestehen, liegt genau dort. Bei 37 °C sind die Wassermoleküle in ihrer Ordnung am leichtesten beeinflussbar. Mit möglichst geringem Energieaufwand kann so das Zellwasser, das bedeutend kompakter ist als Trinkwasser, vom Körper verändert werden. Auch das ist ein klarer Hinweis darauf, dass Wasser nicht einfach auf die Formel H2O reduziert werden darf. Mit dieser Formel kann man zwar die chemische Zusammensetzung definieren, jedoch ist damit noch lange nichts über das Wesen des Wassers ausgesagt.

 
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